Mein Solarteur
31 kWp, 40 kWh Speicher, ein KI-Agent
Drei Angebote für eine Photovoltaik-Anlage. Jedes Mal Preise, bei denen mir als Schwabe schlecht wird. Dabei sind die Dachhaken längst montiert, die Leerrohre gelegt, die Vorbereitung steht. Eigentlich müsste man die Module nur noch draufklatschen. Trotzdem: fünfstellige Angebote. Für Arbeit, die ich — wenn ich ehrlich bin — selbst machen kann.
Wenn der Traum vom smarten Zuhause zu teuer wird
Ich bin einer von diesen Menschen. Alexa in jeder Decke, Automatisierung überall, das ganze Haus vernetzt. Mein Traum war immer ein komplett smartes Zuhause — KNX, zentrale Steuerung, alles aus einem Guss. Dann kamen die Angebote: fast 100.000 Euro. Für Kabel, Aktoren und Programmierung. Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, es selbst zu machen.
Ich habe die komplette Elektrik meines Hauses selbst geplant und umgesetzt. Von der Hauptverteilung bis zur letzten Steckdose, alles in Eigenleistung. Nur die Abnahme hat ein befreundeter Elektriker gemacht. Als Maschinenbauer und Mechatroniker habe ich einen anderen Zugang zur Materie als die meisten Bauherren — ich kann Schaltpläne lesen, Drehmomente berechnen und weiß, was passiert, wenn man 600 Ampere über einen unterdimensionierten Kontakt schickt. Wer einmal erlebt hat, wie viel Marge zwischen Materialkosten und Handwerkerrechnung liegt, sieht Angebote danach mit anderen Augen.
Nach dem Hausbau wollte ich eigentlich mehr Zeit mit den Kids verbringen. Also dachte ich: Lass die Solaranlage jemand anderen machen. Und dann kamen die Angebote. Drei Solarteure, drei Philosophien, drei Preisschilder — und keins davon nachvollziehbar, wenn man die Materialpreise kennt. Déjà vu.
Mehr als nur Solarmodule
Ich wollte nie nur Panels aufs Dach. Ich wollte ein Energy Storage System. Autarkie. Einen großen Speicher, der mit Home Assistant vernetzt ist. Energy Trading über Tibber — ein System, das billig kauft und teuer verbraucht. Und dafür gab es kein Angebot von der Stange.
Als ich meinen Freunden davon erzählt habe, haben die meisten nur den Kopf geschüttelt. Riesiger Speicher? Selbst bauen? Energy Trading? Das macht man doch nicht selbst. Doch. Wenn man bereits ein ganzes Haus elektrifiziert hat, ist eine PV-Anlage die logische Fortsetzung.
Wie ein Agent zum Solarteur wird
Aber — und das ist der Punkt — ich hätte das nicht alleine geschafft. Nicht weil ich es nicht kann, sondern weil die Komplexität explodiert. DIN VDE 0100, Victron-spezifische Konfiguration, MPPT-String-Berechnung, NH3-Sicherungsdimensionierung, das M10-Paradoxon bei den Lynx-Modulen, Drehmomente für verschiedene Bolzengrößen. Jede Entscheidung hat Konsequenzen, und bei 48 Volt und 600 Ampere sind falsche Entscheidungen nicht nur teuer, sondern gefährlich.
Also habe ich mir einen spezialisierten KI-Agenten gebaut. Keinen generischen Chatbot. Einen Solarteur, der mein Projekt kennt — 26 Markdown-Dateien als Knowledge Base. Systemarchitektur, Komponentenlisten, Entscheidungsprotokolle, Sicherheitsregeln. Jede Frage wird gegen diese Wissensbasis beantwortet, nicht aus dem Bauch heraus.
Das Ergebnis: Ich konnte um Mitternacht Fragen stellen, die ich keinem Elektriker um Mitternacht stellen kann. Welcher Kabelschuh für welchen Bolzen? Warum M8 statt M10? Was passiert am Minus-Pfad, wenn der KETO-Trennschalter offen ist? Und der Agent hat nicht geraten — er hat in meiner eigenen Dokumentation nachgeschlagen und geantwortet.
Was dabei herausgekommen ist
Ein Zwei-Phasen-Projekt. Phase 1: Das ESS-Kernsystem — Batterien, Wechselrichter, Notstrom-Bypass. Phase 2: PV-Module auf vier Flächen — Dach, Solarzaun, Terrasse, Gartenhaus. Alles durchgeplant, von der mechanischen Montage über die DC-Verkabelung bis zur Inbetriebnahme. Jede Artikelnummer verifiziert — und glaubt mir, bei Victron kann eine falsche Artikelnummer den Unterschied zwischen einem funktionierenden System und einem Brandherd machen.
Die Lessons Learned allein füllen ein eigenes Dokument. Das Lynx M10-Paradoxon: Die „M10-Version" hat M10-Busbars seitlich, aber alle Kabelbolzen sind M8. Wenn du M10-Ösen auf M8-Bolzen schraubst, hast du unzureichende Kontaktfläche bei 600 Ampere. Das steht in keinem Prospekt.
KI als Co-Planer, nicht als Ersatz
Mein KI-Solarteur hat mir nicht die Anlage geplant. Er hat es mir ermöglicht, sie selbst zu planen — mit dem Detailwissen, das normalerweise zehn Jahre Berufserfahrung voraussetzt. Er hat mich vor teuren Fehlern bewahrt, meine Entscheidungen gegen Normen geprüft und mir geholfen, aus 26 Einzeldokumenten ein konsistentes System zu machen. Und da ich weiß, wie gerne KI-Agenten auch mal einen raushauen und halluzinieren, wurde alles doppelt und dreifach validiert und verifiziert. Jede Spezifikation gegen das Original-Datenblatt, jede Artikelnummer gegen den Hersteller.
Und genau das ist der Kern: KI ersetzt keinen Elektriker. Aber sie macht aus einem ambitionierten Bauherrn einen informierten Gesprächspartner. Die AC-Seite macht immer noch der Fachmann. Aber wenn ich mit ihm spreche, reden wir auf Augenhöhe — weil ich mein System besser kenne als jeder Solarteur, der drei Angebote am Tag schreibt.
Natürlich lasse ich die gesamte Planung am Ende von einem Solarexperten verifizieren. Das System ist komplex, und eine zweite Meinung vom Fachmann ist keine Schwäche — sie ist Teil des Prozesses. Aber der Unterschied: Ich komme nicht als Laie, der fragt „Was soll ich nehmen?" Ich komme mit einem durchgeplanten System und sage „Prüf das bitte."
Und genau das möchte ich auch anderen ermöglichen. Die Idee: Den Solarteur-Agenten als eigene App verfügbar machen. Nicht als Ersatz für den Installateur, sondern als Werkzeug, das Bauherren und Fachleute gleichermaßen unterstützt. Damit die nächste Solarplanung nicht mit drei unverständlichen Angeboten beginnt — sondern mit Wissen.
— Philipp