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10. April 2026Maker5 min

Mein Rudergerät spricht kein Garmin

BLE, ANT+, Connect IQ und die Sturheit eines Ingenieurs

Ich rudere. Nicht auf dem Wasser — auf einem Sportstech WRX1000 Waterrower. Ein solides Gerät mit einem Problem: Es spricht Bluetooth Low Energy. Meine Garmin Epix 2 Pro spricht ANT+. Die beiden reden nicht miteinander. Und ohne Garmin-Kopplung gibt es keine Training Metrics. Kein Training Effect. Kein VO2max-Update. Kein Training Load. Nichts.

Warum importierte Aktivitäten nicht reichen

Klar, man kann eine Aktivität als FIT-Datei importieren. Aber Garmin Connect ignoriert importierte Daten für alles, was zählt. Die Firstbeat-Algorithmen laufen on-device — auf der Watch selbst. Wenn die Watch die Herzfrequenz nicht live während der Aktivität sieht, gibt es keine Berechnung. Kein Body Battery Drain, keine Intensity Minutes, keine Recovery Time.

Für jemanden, der sein Training nach Daten steuert, ist das ein Dealbreaker. Ich will nach dem Rudern sehen, ob die Einheit Aerobic oder Anaerobic Training Effect hatte. Ich will, dass der Training Load in meinen Wochenüberblick einfließt. Ohne das ist Rudern für Garmin unsichtbar — als hätte ich nichts getan.

Die Bridge: BLE rein, ANT+ raus

Die Lösung: Eine Bridge. Software, die BLE FTMS-Daten vom WRX1000 empfängt und als ANT+ FE-C an die Garmin Watch weiterleitet. So "denkt" die Watch, sie ist mit einem echten Fitnessgerät verbunden. Hardware-Kosten: ein ANT+ USB-Dongle für 35 Euro und ein USB-OTG-Adapter für 10 Euro. Läuft auf einem Android-Handy im Chrome-Browser.

WRX1000 sendet per BLE an die Bridge. Die Bridge übersetzt in ANT+ FE-C. Die Garmin Watch empfängt ANT+ und startet Indoor Rowing. Herzfrequenz läuft parallel über den Brustgurt. Und plötzlich: Training Effect. VO2max. Alles.

Die Garmin-App: WRX1000-IQ

Aber mir hat das nicht gereicht. Die Standard-Garmin-Anzeige für Indoor Rowing ist generisch. Also habe ich ein Connect IQ Data Field geschrieben — WRX1000-IQ. Monkey C, Garmins eigene Programmiersprache. Zonenbasierte Pace-Anzeige mit Farbcodierung, vier Kernmetriken: Pace, Power, Schlagfrequenz, Distanz. AMOLED-optimiert für schwarzen Hintergrund und Akkulaufzeit.

WRX1000-IQ Connect IQ App auf Garmin quatix 7
WRX1000-IQ im Connect IQ Simulator: Pace, Watt, SPM, Distanz und Herzfrequenz — alles live auf der Garmin.

Die Herausforderung bei Connect IQ: Jeder API-Aufruf kann abstürzen. Bluetooth-Verbindungen brechen ab. Felder verschwinden. Die Garmin-Watch zeigt dann ein blaues Quadrat — das universelle Zeichen für "dein Code ist kaputt". Meine Lösung: Jeder API-Call in try-catch, Null-Checks überall, minimale Änderungen mit Tag-and-Rollback-Workflow.

Was ein Ingenieur eben so macht

Wäre es einfacher gewesen, ein Rudergerät mit nativer Garmin-Unterstützung zu kaufen? Natürlich. Aber der WRX1000 ist ein Wasserrudergerät — das Rudergefühl ist unschlagbar. Und ich bin Maschinenbauer. Wenn ein Gerät nicht das tut, was ich will, dann baue ich die Schnittstelle selbst.

Das Ergebnis: Vollständige Garmin-Integration für ein Gerät, das der Hersteller nie dafür vorgesehen hat. Training Metrics, die vorher unsichtbar waren. Und ein Deploy-Skript, das per MTP direkt auf die Watch pusht. Weil auch das letzte Stück Reibung zu viel ist.

— Philipp